Vor 80 Jahren protestierte die Bekennende Kirche gegen Judenhass und Konzentrationslager

Der Altarraum der evangelischen Versöhnungskirche DachauAm Sonntag, 5. Juni 2016, ab 11 Uhr gestaltet Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau den Gottesdienst zum 80. Jahrestag der Denkschrift, mit der die Bekennende Kirche gegen das Unrecht im NS-Staat protestierte.

Die Leitung des entschiedenen Flügels der "Bekennenden Kirche", die sich als innerkirchliche Opposition zu den NS-hörigen "Deutschen Christen" im deutschen Protestantismus formiert hatte, richtete am 4. Juni 1936 diese Denkschrift an Hitler. Nach dem "ehrerbietigen Gruß" an den "Führer und Reichskanzler" wurden die Kirchenmänner deutlich: "Wenn dem Christen im Rahmen der nationalsozialistischen Weltanschauung ein Antisemitismus aufgedrängt wird, der zum Judenhass verpflichtet, so steht für ihn dagegen das christliche Gebot der Nächstenliebe." Und etwas weiter: "Das evangelische Gewissen ... wird aufs härteste belastet durch die Tatsache, dass es in Deutschland, das sich selbst als Rechtsstaat bezeichnet, immer noch Konzentrationslager gibt und dass Maßnahmen der Geheimen Staatspolizei jeder richterlichen Nachprüfung entzogen sind."

Nachdem Zeitungen in den USA und in der Schweiz über die mutige Denkschrift berichtet hatten, ging das NS-Regime noch härter gegen diesen Teil der "Bekennenden Kirche" vor. Mehrere der Mitverfasser wurden später in Konzentrationslager verschleppt. Der Kirchenjurist Friedrich Weißler wurde im Februar 1937 in Sachsenhausen ermordet, Pfarrer Martin Niemöller kam vor 75 Jahren ins KZ Dachau, wo er bis kurz vor Kriegsende inhaftiert war - 1967 predigte Niemöller als Präsident des Weltkirchenrats bei der Einweihung der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Heinz Hermann Niemöller (92), der sich erinnert, wie sein Vater im September 1935 verzagt von der Bekenntnissynode in Berlin-Steglitz nach Hause kam, weil es dort noch nicht zu einer deutlichen Verurteilung der Judenverfolgung gekommen war, und ihn später im KZ Dachau besuchen durfte, wird am Gedenkgottesdienst teilnehmen. Ebenso kommt als Ehrengast Wolfgang Weissler, Enkel von Friedrich Weißler. Sein Vater Johannes Weissler starb im März dieses Jahres im Alter von 87 Jahren. Wolfgang Weissler, von dessen Großvater sich die Leitung der Bekennenden Kirche nach der ungeplanten Veröffentlichung der Denkschrift im Ausland, für die sie ihn verantwortlich machte, distanziert hatte, reagierte positiv auf die Einladung durch Gedenkstättenpfarrer Björn Mensing: "Der 80. Jahrestag der Denkschrift sollte uns allen den Mut und die Entschlossenheit der damals Beteiligten wieder vor Augen führen - aber auch das Leid, welches ihnen und ihren Angehörigen durch das Gewaltregime zugefügt wurde. Es ist beruhigend zu wissen, dass die Evangelische Kirche jetzt aktiv dafür sorgt, dass dies nicht in Vergessenheit gerät und dass die Erinnerung für die nachfolgenden Generationen wachgehalten wird."

Susanne Breit-Keßler, eine der profiliertesten Theologinnen im deutschen Protestantismus, ist Regionalbischöfin für München und Oberbayern und Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm.

Die Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau arbeitet in Trägerschaft der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und wird von einem internationalen Kuratorium begleitet.

(Text: Björn Mensing / Bild: Philipp Stoltz)

Luther-Radlpilgerweg von Weilheim nach Wittenberg

Jürgen Nitz und Christian Reuting haben die Route nach Wittenberg zusammengestellt (Bild: Nitz)Nun können Sie sich mit dem Fahrrad auf Luthers Spuren begeben. Der „Luther Radlpilgerweg“ führt quer durch Deutschland zu den wichtigsten Orten der Reformationszeit. Die Museen, Kirchengemeinden und Originalorte inspirieren zur Begegnung mit Luther. Erstellt wurde die Route von dem Kauferinger Pfarrer Jürgen Nitz und Christian Reuting. Beide haben schon langjährige Erfahrung mit dem Radlpilgern: „Von Kaufering sind wir in den letzten Jahren mit Radgruppen zu den großen Zielen christlicher Pilgerwege gefahren, Taize, Rom, Santiago di Compostela. Was lag näher, als sich im Reformationsjubiläum auf die Spuren Luthers nach Wittenberg zu machen?“ Das evangelische Dekanat Weilheim hat den Radlpilgerweg (www.ebw-weilheim.de/radpilgerweg) zu einem Dekanatsprojekt für das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ gemacht.

Mit Witz und Esprit gegen Menschenverachtung. Verleihung des Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preises 2016

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preises 2016 (Bild: Manfred Walter, Evang. Landjugend)

Mit einem großen Festakt in der Münchner St. Markus-Kirche wurde am 12. Mai der Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis 2016 verliehen. In diesem Jahr werden zwei Aktionen ausgezeichnet, die sich mit der deutschen NS-Vergangenheit auseinandersetzen und die mit Witz und Esprit gegen Menschenverachtung und für ein gerechtes, würdiges Zusammenleben auftreten.

Besuch in der Diözese Skara der Kirche von Schweden

Die ständige Vertreterin des Landesbischofs Susanne Breit-Keßler und der Bischof der Diözese Skara, Åke Bonnier

Mit einem festlichen Hochamt im Dom von Skara feierten am 24. April die Diözese Skara der Kirche von Schweden und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern ihre langjährige Partnerschaft. Das Hochamt zelebrierte Bischof Åke Bonnier. In ihrer Predigt sagte die Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler: „Ich erlebe unser Miteinander, das Tillsammans, als beschwingt, geistreich und lebensfroh. Es ist in meinen Augen mehr als eine Form der klugen Zusammenarbeit – es ist geistreiche Existenz.“

Sonntag Jubilate

Worüber können wir jubeln? Das fragte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in der "Evangelischen Morgenfeier" zum Sonntag "Jubilate" am 17. April. Gerade in Zeiten, in denen Sorgen und Nöte zuzunehmen scheinen, tut es gut sich zu vergewissern, dass Gott das letzte Wort hat, und den Blick neu zu schärfen für die kleinen und großen Dinge, für die wir dankbar sein können und über die wir jubeln können. Jubel ist eine gemeinschaftliche Sache, denn geteilte Freude ist doppelte Freude. Gemeinsamer Jubel stiftet Gemeinschaft, überwindet irdische Verhältnisse und ermöglicht neue Blickwinkel, so Susanne Breit-Keßler: "Gottseidank ist unser Glaube der menschenfreundliche Sieg, der in dieser Welt einen hoffnungsvollen Kontrapunkt setzt. Jubilate!"

Die Andacht zum Nachhören

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