Wortereignis – Die Reformation als Bildungsbewegung

Motivbild Wortereignis (Bild: Volkshochschule München)Das Reformationsjubiläum ist 2017 überall ein bestimmendes Thema. So auch in der Münchner Volkshochschule: Die Bildungseinrichtung geht auf einer Tagung im Mai der Frage nach, inwiefern die Reformation ein Bildungsereignis war: Sie stellt große Gestalten der Reformation vor und diskutiert den Beitrag der Reformatoren zu Bildung und kultureller Entwicklung. 

Als Martin Luther die Bibel übersetzte, ging er gegen die übermächtige lateinische Überlieferung zu den hebräischen und griechischen Urtexten zurück und folgte so dem Aufruf der Humanisten, sich den Originalquellen zuzuwenden. Luther verstand die Schrift als eine Ur-Kunde des Christentums, durch deren Lektüre man Gott ganz persönlich erfahren konnte. Dieser individuelle Zugang zu Gott und Heil verlangte vom Gläubigen zugleich ein hohes Maß an Bildung: Er musste verstehen lernen, was er da las. Mit der Lutherbibel, die dank des neuen Buchdrucks massenhaft verbreitet wurde, war die Heilige Schrift nicht mehr nur Lateinkennern zugänglich, sondern allen Gläubigen in ihrer Volkssprache. Luther schaute dem Volk „aufs Maul“ und wirkte so an der Entwicklung der deutschen Sprache mit. Mit dem protestantischen Schriftprinzip begann eine große Bildungsbewegung, die sprachlich, theologisch und kulturell die Welt veränderte.

Die Tagung widmet sich dem reformatorisch geprägten Wert des Wortes und der Schrift und nimmt zugleich Persönlichkeiten in den Blick, die auf unterschiedliche Weise an dieser Bildungsbewegung beteiligt waren: Erasmus von Rotterdam, der den Text des Neuen Testaments in seiner griechischen Originalsprache editierte, Johann Amos Comenius, der die moderne Pädagogik maßgeblich prägte und sich um die religiöse Bildung der Menschen verdient machte, sowie Philipp Melanchthon, der als großer reformatorischer Denker sogar zum „Lehrer Deutschlands“ avancierte. Das abschließende Podiumsgespräch erörtert die ungewisse Zukunft der durch die Reformation vorbereiteten Sprach- und Schriftkultur. 

Handzettel zur Tagung