Münchens erstes evangelisches Gotteshaus

Staatsminister Dr. Markus Söder und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler vor der Gedenktafel (Bild: SBK)Im Jubiläumsjahr zur Reformation erinnert sich auch die Stadt München an ihre Geschichte mit dem Protestantismus. Sie begann am 6. April 1800 mit der Einweihung des ersten evangelischen Gotteshauses in der Residenz, an der Stelle des heutigen Comité-Hofs. An diesen wichtigen Ort erinnert nun eine Erinnerungstafel.

Über Jahrhunderte war es in der Stadt nicht erlaubt gewesen, die evangelische Konfession offen zu pflegen. Erst als 1797 Kurfürst Max Joseph die lutherische Prinzessin Karoline von Baden heiratete und Bayern zu einem modernen Staat entwickelte hielt auch der Protestantismus in der Stadt Einzug. Am 2. Juni 1799 konnte Karoline mit ihrem evangelischen Hofstaat den ersten evangelischen Gottesdienst in München besuchen: Im grünen Saal von Schloss Nymphenburg feierte ihn Kabinettsprediger Ludwig Friedrich Schmidt. Die Gemeinde wuchs schnell, darum baute man schon ein Jahr später das Ballhaus der Residenz München zu einer großen evangelischen Hofkirche um, die bis zur Einweihung der Matthäuskirche 1833 das Gotteshaus der Münchner Protestanten blieb. Zum Gedenken an diesen besonderen Ort wurde am 5. April in einem Festakt mit Staatsminister Dr. Markus Söder, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und Stadtdekanin Barbara Kittelberger im Hof der Residenz eine Tafel angebracht. Die Stadtdekanin freute sich über diese Würdigung der evangelischen Geschichte Münchens: „Zum Gestalten der Zukunft gehört das Bewahren des Erbes unserer Vergangenheit. So wurde die Idee geboren, mit einer Gedenktafel im Comité-Hof in der Residenz an die Anfänge des Protestantismus in München zu erinnern.“

In ihrem Grußwort betonte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, was für eine wichtige Funktion die Kirche für Stadt und Gesellschaft hat: „Oswald Spengler hat gesagt: „Das eigentliche Wunder ist die Geburt der Seele einer Stadt.“ Hebammendienst ist das, was die Kirche Jesu Christi hier leisten kann, mit dem Evangelium die Seele dieser Stadt ins Leben zu rufen und sie zu schützen. Seit mehr als 200 Jahren leisten wir Evangelischen für München diesen Hebammendienst. Und wir werden ihn auch mit großer Freude und mit Herzblut in den kommenden Jahrhunderten erfüllen.“