Evangelisch sein – mit allen Sinnen und dem Verstand

Der Gottesdienst in der Münchner St. Lukas-KircheAm 31. Oktober 2017 feierte die evangelische Kirche 500 Jahre Reformation. Den Höhepunkt des Festes in München bildete der zentrale Reformationsgottesdienst, zu dem sich über 3000 Protestanten in der Kirche St. Lukas versammelten. Den Gottesdienst mit dem Titel "Evangelisch sein – mit allen Sinnen und dem Verstand" feierten Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Pfarrer Helmut Gottschling. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Dekanatsposaunenchor und dem Vokalensemble unter der Leitung von Kantor Tobias Frank.

In ihrer Predigt sprach Susanne Breit-Keßler über die vielen Namen, die dem besonderen Jubiläumsjahr gegeben werden: Wahrscheinlich wäre der Reformator selbst mit den Namen "Lutherjahr" nicht einverstanden gewesen. Und doch war er es, der voller Leidenschaft für seine Botschaft der Rechtfertigung einstand: "Ich kann und brauche nichts dazu tun, dass Gott mich trotz meiner Sünden, meiner Verdrehtheit liebevoll in den Arm nimmt." Damit fand er auch eine Antwort auf Leistungsorientierung und alle Kämpfe und Krämpfe "um gut dazustehen und uns der Welt und dem lieben Gott angenehm und passend zu machen."

Auch der Name Reformationsjubiläum hat etwas für sich: Denn die Botschaft, „dass die Kirche eine ist, die man getrost immer wieder verändern darf“ und dass Gott „mit uns in Bewegung ist“, ist ein Grund zur Freude. Ihm sollte die Kirche alles zutrauen, so Breit-Keßler. Doch die Reformation brachte auch die Kirchenspaltung. Dagegen zeigt der Name "Christusjahr" die Gemeinsamkeiten auf: Es geht nicht um Profilierung, sondern um die gemeinsame geistige Mitte. Die Orientierung auf Christus – den Luther als "Spiegel des väterlichen Herzens" beschrieb – macht es auch möglich, sich den anderen liebevoll zuzuwenden: "Wer an einen gnädigen und barmherzigen Gott glaubt und sich nicht selbst arrogant an seine Stelle setzt, der kann gar nichts anders, als in Ehrfurcht mit dem eigenen Leben und dem anderer umzugehen."

Predigt von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler zum Reformationsjubiläum

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und Dekanin Barbara Kittelberger beim Einzug in die Lukaskirche (Bild: Dietmar Frey)