Erinnerung und Mahnung für Gegenwart und Zukunft

Die Synagoge in Hainsfarth„Ich weiß jetzt, was Pogrome sind, weiß, was Menschen tun können, Menschen, die Ebenbilder Gottes.“ Entsetzt schrieb die 18-jährige Wiener Gymnasiastin Ruth Maier das im November 1938 in ihr Tagebuch. Die Novemberprogrome mündeten schließlich in die Shoah. 80 Jahre später gedachten Menschen in ganz Deutschland der entsetzlichen Verbrechen, auch die jüdische Gemeinde von Hainsfarth im schwäbischen Landkreis Donau-Ries. Als Rednerin sprach dort Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler: "Die ungeheure Zahl gequälter und ermordeter Menschen, das unendliche Leid der Familien, deren Angehörige umgebracht wurden, ist und bleibt unfassbar, unbegreifbar. Worte versagen angesichts dessen, was sogenannte Ebenbilder Gottes anderen angetan haben." 

Dankbar sei Susanne Breit-Keßler für das blühende jüdische Leben in ihrem Kirchenkreis und in ganz Deutschland: "Es ist ein Segen, dass wir mit unseren jüdischen Geschwistern gemeinsam klagen und trauern, feiern und lachen dürfen. Die Hand der Versöhnung, die uns die Opfer der Shoah wie ihre Nachkommen reichen, dürfen wir dankbar und demütig ergreifen."

In ihrer Rede rief die Regionalbischöfin auch dazu auf, die Erinnerung an die schrecklichen Untaten wach zu halten, als Erinnerung und Mahnung für Gegenwart und Zukunft. Denn noch immer gebe es Antisemitismus in der Gesellschaft: "Laut des Berichts eines Expertenkreises sind 20% der deutschen Bevölkerung latent antisemitisch. Jeder Fünfte. Gegen Vorurteile und Ressentiments gibt es nur ein Mittel: Bildung, Bildung, Bildung." Hier habe auch die evangelische Kirche einen wichtigen Bildungsauftrag.